Stückbild des Stückes Faust. Der Tragödie zweiter Teil

Faust. Der Tragödie zweiter Teil

Eine Herausforderung für das Theater von Johann Wolfgang von Goethe

Kurz vor seinem Tod war das Werk, das Goethe 60 Jahre seines Lebens auf unterschiedlichste Weise beschäftigt hatte, abgeschlossen: Faust. Der Tragödie zweiter Teil. Dem zeitgenössischen Publikum traute er allerdings eine fundierte Wahrnehmung dieses komplexen dichterischen Kosmos nicht zu, denn das, was Goethe darin über die Welt notiert, reichte weit in die Zukunft und mündet direkt in unsere Gegenwart:

Nachdem Faust aus seinem Heilschlaf erwacht ist, beginnt die Suche nach dem Unbedingten in einer bedingten Welt erneut. Durch Vergangenheit und Zukunft jagt der Protagonist, getrieben von Mephisto, erfindet mithilfe seines Antipoden das Papiergeld, durchstreift mittels künstlicher Intelligenz die Antike und gewinnt Kriege und Land.

Während Faust zum Verbrecher an Mensch und Natur wird, befeuert Mephisto dessen Eroberungsmentalität und wartet zugleich auf die Einlösung der Wette. Dieser Augenblick scheint endlich gekommen, als der erblindete Faust in einer wahnwitzigen Vision die künftige Gesellschaft heraufbeschwört.

Goethes »Faust II« ist eine Herausforderung für das Theater. Dieser stellt sich der ukrainische Regisseur Stas Zhyrkov, der die Ikone der Weimarer Klassik in einer Neuinszenierung, die auf aktuelle Bezugspunkte setzt, wieder auf die Bühne des DNT bringt.

 

TIPP >> Erleben Sie den neuen »Faust II« hautnah auf unseren exklusiven Vorbühnen-Plätzen. Für die Vorstellungen am 25.10. und 11.12.2026 können Sie diese ausschließlich an unserer Theaterkasse buchen. Für alle weiteren Aufführungen sind Karten dafür auch im Webshop verfügbar.

Sonntag // 25. Oktober 2026 // 16.00 - 19.10 Uhr // Großes Haus

Samstag // 14. November 2026 // 19.30 - 22.40 Uhr // Großes Haus

Freitag // 20. November 2026 // 19.30 - 22.40 Uhr // Großes Haus

Freitag // 11. Dezember 2026 // 19.30 - 22.40 Uhr // Großes Haus

Samstag // 16. Januar 2027 // 19.30 - 22.40 Uhr // Großes Haus

Samstag // 6. Februar 2027 // 19.30 - 22.40 Uhr // Großes Haus

Sonntag // 28. März 2027 // 18.00 - 21.10 Uhr // Großes Haus

Samstag // 8. Mai 2027 // 19.30 - 22.40 Uhr // Großes Haus

zu den Tickets

Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe

Uraufführung (unvollständig): 7. Mai 1876, Weimar
Zuletzt am DNT: Spielzeit 2017/18

 

TIPP >> Besuchen Sie die Sonderausstellung »Faust« der Klassik Stiftung im Schiller-Museum Weimar.

Ariel / Bischof / Baucis / Chor: Zainab Alsawah
Helena / Karl Marx / Sorge: Dascha Trautwein
Homunculus / Raufebold / Mangel / Chor: Mona Zarreh Hoshyari Khah
Kaiser / Journalist / Obergeneral: Calvin-Noel Auer
Heermeister / Baccalaureus / Euphorion / Schuld / Chor: Jonas Götzinger
Faust / Mephisto: Sebastian Kowski
Kanzler / Wagner / Philemon: Bastian Heidenreich
Mephisto / Faust: Krunoslav Šebrek
Experte / Habebald / Chor: Jonathan Gaspar Walldorf
Schatzmeister / Haltefest / Not / Chor: Rosa César Waschke

Inszenierung: Stas Zhyrkov
Bühne: Jan Hendrik Neidert
Kostüme: Lorena Díaz Stephens
Co-Regie Puppe/Maske: Matteo Spiazzi
Musik/Sounddesign: Marco Girardin
Dramaturgie: Pavlo Arie / Beate Seidel
Übersetzer: Sebastian Anton
Licht: Christian Schirmer

Spielort: Großes Haus

Dauer: 3 Std. 10 Min.

Pause: nach ca. 1 Std. 55 Min.

Premiere: 3. Oktober 2026

Einführung: 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer

ℹ️ Hinweis zu sensiblen Inhalten: Die Themen Krieg und körperliche Gewalt werden im Text angesprochen und in der Inszenierung teilweise szenisch dargestellt.

Fakt 1
In »Faust II« bildet weniger die Person Faust das Zentrum der fünf Akte, es geht stattdessen um die ›allgemeinen Weltverhältnisse‹. Das wird auch an den Sprechanteilen sichtbar. Im ersten Teil hat Faust 30% des Textes, während 20 weitere Figuren (Mephisto ausgenommen) sich 7% des Textes teilen. Der Sprechanteil des Faust im zweiten Teil liegt bei 13%, der gemeinsame Sprechanteil der anderen 70 Figuren bei ca. 20%.


Fakt 2
Den gedanklichen Hintergrund für die Papiergelderfindung bildet die 1716 vom schottischen Bankier John Law gegründete Notenbank in Frankreich, die mit der Ausgabe von ungedecktem Papiergeld alle Schulden des Königs tilgte und zunächst den wirtschaftlichen Aufschwung Frankreichs beförderte. Doch die fortgesetzte willkürliche Geldvermehrung mündete letztlich in eine Wirtschaftskrise.


Fakt 3
Um Helena und Paris, das ikonische Liebespaar der Antike, für das kaiserliche Vergnügen herbeizuzaubern, muss sich Faust zu den geheimnisvollen ›Müttern‹ bewegen. Zu Eckermann sagte ­Goethe später: »Ich kann Ihnen nichts weiter verraten […], als dass ich beim Plutarch gefunden, dass im griechischen Altertum von Müttern als Gottheiten die Rede gewesen. Dies ist alles, was ich der Überlieferung verdanke, das Übrige ist meine Erfindung. […] sehen Sie zu, wie Sie damit zurecht kommen.«


Fakt 4
Der Versuch Wagners, ein menschliches Wesen (­Homunculus) künstlich herzustellen, bezieht sich u.a. auf Mitteilungen, die Goethe 1828 über Experimente des Jenaer Forschers Friedrich Wöhler erhielt, der durch seine Harnstoffsynthesen berühmt wurde, bei der man die Möglichkeit vermutete, organische Substanzen zu bilden.


Fakt 5
Die Helena-Dichtung im 3. Akt ist eine Art Zeitreise durch die Jahrtausende. Gustav Seibt schreibt dazu: »Helena lässt sich auf eine Burg entrücken und landet zweitausend Jahre später. Euphorion entflieht seinen Eltern durch die Luft und stürzt sechshundert Jahre später zu Boden. Doch das eigentliche Medium der Epochenwechsel ist bei Goethe natürlich die Sprache. ­Helena tritt zunächst mit dem antiken griechischen Tragödienvers auf. Auf der Ritterburg aber erlernt sie den Reim der mittelalterlichen Versepik. Euphorion wiederum, der sich in den Kampf stürzt, schmettert kurzzeilige Arien wie in einem Singspiel von Mozart. Drei ­Epochen– drei Sprachstufen.«


Fakt 6
Vorbild für Euphorion war der Dichter der englischen Romantik, Lord Byron (1788 – 1824), das ›Enfant terrible‹ der sogenannten besseren Gesellschaft. Er war Sportsmann, hatte Liebesaffären mit Männern und Frauen, galt als Freiheitskämpfer und zu früh gestorbener Exzentriker. Goethe bewunderte Byron und setzte ihm in Euphorion ein Denkmal, das die Ambivalenz dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit einfängt.


Fakt 7
Der 4. Akt entstand zuletzt – unter dem Eindruck der Pariser Julirevolution von 1830, in der Goethe die Wiederholung der radikalisierten Revolution von 1792 erkannte. Saint-Simon und die nach ihm benannte Bewegung der Saint-Simonisten verkörpern für ihn jenes düstere Zukunftsbild, das Faust in seiner letzten großen Vision ausformuliert: die absolute Herrschaft der Faustischen Idee des »Höher, Schneller, Weiter«, in der die Welt eine industrielle Produktionsstätte ist. Arbeit ist der einzige Lebenssinn, und sie versteht sich als »Aneignung und Unterwerfung der Natur« (M. Jäger). In Fausts Vision im 5. Akt findet eine dichterische Auseinandersetzung mit dieser Dystopie statt.


Fakt 8
Goethe war ein intensiver Zeitungsleser, obwohl er diese Tatsache gern unter den Tisch fallen ließ. Die Landgewinnung im 4. Akt ist darum inspiriert von den ­großen Kanalbauten, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geplant und z.T. begonnen wurden: Den Durchstich durch den mittelamerikanischen Isthmus (Panama-Kanal) wollte er unbedingt sehen, ahnte aber, dass es nicht möglich sein würde. Zu Eckermann sagte er 1827: »Zweitens möchte ich erleben, eine Verbindung der Donau und mit dem Rhein hergestellt zu sehen. Und drittens möchte ich die Engländer im Besitz eines Kanals von Suez sehen. Diese drei Dinge möchte ich erleben und es wäre wohl der Mühe wert, ihnen zuliebe noch einige fünfzig Jahre auszuhalten.«


Fakt 9
1800 erhielt Goethe eine Reise­beschreibung von Wilhelm von Humboldt zur Klosteranlage ­Montserrat bei Barcelona, in der Mönche ein Einsiedlerleben führten. Die Einsiedeleien waren so mit Bäumen und Sträuchern bewachsen, dass sie buchstäblich in der Luft zu schweben schienen. Die Beschreibung Humboldts und ein Kupferstich im Campo Santo in Pisa ließen ihn die große Abschlussszene in den Bergschluchten im vorgestellten Kloster Montserrat entwerfen, die er als mystisches Satyrspiel verstanden wissen wollte.


Fakt 10
Nach einigen fragmentarischen Aufführungsversuchen brachte Otto Devrient beide Teile des »Faust« 1876 erstmals in Weimar auf die Bühne.

  • »Was für ein Abend, und was für ein Ensemble!«
    (nachtkritik, 4.10.2026)

  • »Der Abend, den Stas Zhyrkov, Jan Hendrik Neidert und Lorena Díaz Stephens präsentieren, vielmehr entfesseln, ist ein Volltreffer.«
    (Die deutsche Bühne, 4.10.2026)

  • »Packendes Goethe-Update [...]. Hochaktuell und höchst faszinierend.«
    (nachtkritik, 4.10.2026)

  • »Opulenter, klug verdichteter, sinnlicher und sich obendrein immer wieder selbst reflektierender Theaterabend«
    (Die deutsche Bühne, 4.10.2026)

  • »Eine Inszenierung, die in jeder Minute fesselnd und herausfordernd zugleich ist, und die immer rauschhafter wird, je länger sie dauert.«
    (nachtkritik, 4.10.2026)

  • »Poetisch-politische Revue«
    (Thüringer Allgemeine, 4.10.2026)

  • »Herrlich! [...] Großer, vollkommen berechtigter Applaus.«
    (Blog »Gebrautes«, 12.10.2026)

  • »Der Jubel am Ende lässt sich übersetzen: Herausforderung glänzend bewältigt!«
    (Die deutsche Bühne, 4.10.2026)