Stückbild des Stückes Maß für Maß

Maß für Maß

Eine Regierungskomödie von William Shakespeare

Die Sitten der Stadt sind vor die Hunde gegangen – das muss der Herzog von Wien einsehen. Die Lösung: Er setzt den strengen Angelo als seinen Stellvertreter ein und mischt sich verkleidet unter das Volk. Dieses erschaudert  schon bald vor der Unbarmherzigkeit des neuen Hardliners, der den jungen Claudio wegen ›vorehelichen Beischlafs‹ hinrichten lassen will. Doch dann verstrickt sich Angelo in sein eigenes Begehren und nutzt seine Macht  schamlos aus. Schnell wird klar: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen!

In seiner dunklen Komödie aus dem Jahr 1603 prangert Shakespeare die Doppelmoral der Tugendhaften an und fragt nach der Verantwortung, die jede:r für die Gesellschaft trägt.

Schauspieldirektor Timon Jansen und Ensemble gehen dem berühmten ›problem play‹ in einem lustvollen Schauspiel auf den Grund.

Samstag // 25. April 2026 // 19.30 Uhr // Großes Haus

Sonntag // 10. Mai 2026 // 16.00 Uhr // Großes Haus

Donnerstag // 14. Mai 2026 // 19.30 Uhr // Großes Haus

Samstag // 30. Mai 2026 // 19.30 Uhr // Großes Haus

Wiederaufnahme
Freitag // 16. Oktober 2026 // 19.30 Uhr // Großes Haus

Sonntag // 1. November 2026 // 16.00 Uhr // Großes Haus

Freitag // 6. November 2026 // 19.30 Uhr // Großes Haus

Donnerstag // 3. Dezember 2026 // 19.30 Uhr // Großes Haus

Samstag // 19. Dezember 2026 // 19.30 Uhr // Großes Haus

Samstag // 9. Januar 2027 // 19.30 Uhr // Großes Haus

Freitag // 29. Januar 2027 // 19.30 Uhr // Großes Haus

Sonntag // 21. März 2027 // 19.00 Uhr // Großes Haus

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Komödie in fünf Akten
von William Shakespeare, aus dem Englischen von Thomas Brasch

Uraufführung: 1604, London
Zuletzt am DNT: Spielzeit 1986/87

Vincentio: Sebastian Kowski
Angelo: Robert Prinzler
Claudio: Jonas Götzinger
Isabella: Nadja Robiné
Escalus: Zainab Alsawah
Lucio: Raika Nicolai
Pompejus Herrensteiß / Mönch: Christian Bayer
Mariana / Madame Overdone / eine Nonne: Katharina Hackhausen
Julia / Ellbogen / Erster Herr: Mona Zarreh Hoshyari Khah
Wächter / Bernardino / Zweiter Herr / Schaum: Fabian Hagen
Musiker: Clemens Rynkowski

Inszenierung: Timon Jansen
Bühne und Kostüme: Philip Rubner
Musik: Clemens Rynkowski
Dramaturgie: Theresa Selter
Licht: Andreas Heptner

Spielort: Großes Haus

Dauer: 3 Std. 0 Min.

Pause: eine Pause

Premiere: 18. April 2026

Einführung: 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung im Foyer

 

ℹ️ Hinweise zu sensiblen Inhalten: Das Theaterstück thematisiert auf verbaler Ebene sexualisierte Gewalt sowie Tod. Es kommt sexistische Sprache zum Einsatz.

1 Mit »Maß für Maß« verabschiedete sich Shakespeare von der Komödie: Die vier Eheschließungen am Schluss, die für die Figuren größtenteils Bestrafungen darstellen und das Publikum befremdet zurücklassen, sind von zahlreichen Interpreten als eine Parodie auf die Konventionen der Komödie gedeutet worden. Nach der Fertigstellung wendete sich der Dichter mit »Othello« wieder einem tragischen Stoff zu.


2 Der Titel des Stücks bezieht sich auf eine Stelle aus der Bergpredigt, in der es heißt: »Mit welchem Maß ihr messt, wird man euch wieder messen.« Damit stellt Shakespeare dem alttestamentarisch Prinzip der Vergeltung – dem Lex Talionis »Auge um Auge, Zahn um Zahn« – das Prinzip der Gnade und Vergebung aus dem Neuen Testament gegenüber. Im Werk finden sich zahlreiche Referenzen auf dieses Bild.


3 Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts tat sich die Shakespeare-­Forschung schwer mit dem Werk, dessen Vielzahl an Themen und widerstreitenden Perspektiven eine klare Deutung verwehrt. Der Literaturkritiker Frederick S. Boas fasste die drei Stücke »Troilus and ­Cressida«, »All’s Well That Ends Well« und »Measure for Measure« unter der Bezeichnung ›problem plays‹ zusammen, da sie sowohl komische als auch düstere psychologische Elemente enthalten. Heute gilt »Maß für Maß« in der Literaturwissenschaft als eines der faszinierendsten Stücke Shakespeares. 


4 Wenige Tage nach seiner Amtseinführung im Jahre 1603 publizierte James I. eine eigene Abhandlung über das Regieren. Das sogenannte ›Basilikon ­Doron‹– übersetzt ›Königliches Geschenk‹ – beschreibt in drei Büchern, wie sich ein Herrscher effektiv verhalten soll. James vertrat darin die Vorstellung eines Gottesgnadentum – wie Gott solle der Herrscher mit ›allsehendem Auge‹ ins Innerste seiner Untertanen schauen. 


5 Anders als James I. wusste sich seine Vorgängerin ­ElizabethI. in Szene zu setzen und knüpfte ihre Macht an theatrale Repräsentation. Ihre lebenslange Jungfräulichkeit stilisierte sie zu einem regelrechten Kult. James dagegen war eher an der Rolle des Beobachters als des Beobachteten interessiert. Das Motiv des verkleideten Herrschers war im englischen Drama zu Beginn des 17.Jahrhunderts besonders populär (›disguised ruler play‹).


6 Das Eherecht zu Shakespeares Zeit bestand aus einer Mischung aus kirchlichen Vorschriften und sozialen Konventionen. Eine Ehe war theoretisch auch ohne kirchliche Trauung rechtskräftig, wenn die Partner ihre Absicht vor mindestens einem Zeugen erklärten (›per verba de praesenti‹ – Gelübde in der Gegenwart).       


7 Isabellas Schweigen am Ende des Stückes erlaubt viel Freiraum für Interpretation: So war es in den Inszenierungen des 18. und 19. Jahrhunderts üblich, den Schluss als einträchtiges Happy End zu inszenieren. Erst mit John Bartons Inszenierung für die Royal Shakespeare Company 1970 kam zunehmend eine abwägende oder ablehnende Haltung Isabellas als Lesart auf.


8 Bertolt Brecht verdichtete 1936 den Handlungskern des ­Shakespeare’schen Stücks in »Die Rundköpfe und die Spitzköpfe« zu einer Parabel über den Konflikt von Arm und Reich. Hier tritt der Vizekönig des verarmten Agrarstaats Jahoo die Regierungsgeschäfte vorübergehend an Angelo Iberin ab, damit dieser eine unpopuläre Salzsteuer durchsetzt.


9 Wie fragwürdig ein Experiment mit Menschen grundsätzlich ist, machte Peter Zadek in den sechziger Jahren mit seiner Bremer Inszenierung von »Maß für Maß« mit Bruno Ganz und Jutta Lampe deutlich. Auf einer fast leeren Bühne trieb er die Zumutungen des Herzogs auf die Spitze und rief damit einen Theaterskandal hervor. 


10 »Maß für Maß« ist die letzte von insgesamt sieben Shakespeare-Übersetzungen des DDR-Autors Thomas Brasch. Seine Übersetzungen werden heute häufig gespielt, weil sie sich durch eine direkte und zugleich poetische Sprache ausdrücken, ohne sich in philologischen Spitzfindigkeiten zu verlieren. Für den 2025 verstorbenen Theatermacher Claus Peymann galten sie als »die Shakespeare-Übersetzungen unserer Zeit«.

  • »Jansen beweist, dass man Shakespeare in die Erlebniswelt von heute holen kann: Glaubwürdig, ohne ideologischen Bleifuß, traumhaft sicher und intelligent erzählt dazu.«
    (nachtkritik, 19.4.2026)

  • »Ein alter Stoff aus neuer Perspektive betrachtet.«
    (Thüringer Allgemeine, 20.4.2026)

  • »Jede Rolle ist als mehrdimensionales Psychogramm angelegt. Eine großartige indivudelle Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler.«
    (nachtkritik, 19.4.2026)

  • »Der Regisseur choreographiert große Bühnentableaus, im Wechsel mit spannungsvoll-intensiven Kammerspielszenen. Mal ernsthaft, mal ironisch.«
    (nachtkritik, 19.4.2026)

  • »Janses Regiekonzept wird zu einem Fest der kultiviert-fomsicheren und immer auch poetischen Sprache.«
    (nachtkritik, 19.4.2026)